Maibaum-Brauch: Eine andere Art von Wellness

Quelle: Tourismusverband München-Oberbayern e. V., Maibaum Bad Reichenhall

Viele glauben, er sei auf heidnische Bräuche zurückzuführen ? der Maibaum, der ab 1. Mai wieder in den Himmel ragt und für Fruchtbarkeit steht. Doch weit gefehlt: Mit Max I. Joseph bestieg 1806 der erste, bayerische König den Thron und räumte sein Reich kräftig auf. Der Flickenteppich Bayern, der sich aus rund 40.000 kleinen Gebieten zusammensetzte, wurde zu einem Staat vereint. Aus Loyalität bemalten die Untertanen ihre Maibäume blau-weiß – in den Farben des jungen Königreiches und demonstrierten damit ihr neues Wir-Gefühl.

Der spektakulärste Maibaum-Brauch ist sicherlich das Klauen der bis zu 40 Meter langen Traditions-Stangen. Sobald ein geeigneter Baum im Wald auserkoren wurde, ist er schon nicht mehr sicher. Zu groß ist die Gefahr, dass die Nachbargemeinde das gute Stück in einer Nacht-und-Nebel-Aktion stibitzt, um anschließend eine hohe Ablöse in Form von Bier und Brotzeiten auszuhandeln. Wenn die gezahlt wird, gibt?s den Baum zurück. Wenn nicht, landet er im Kamin oder muss den 1. Mai als Schandbaum neben dem Prunkstück des Diebes-Dorf fristen. Woher die Tradition stammt ist übrigens unklar. Fest steht, dass sich dieser Brauch erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt hat.

Mit ?Hauruck? in die Höhe
Nicht weniger abenteuerlich ist das Aufstellen des Maibaums. Bis zu 30 Burschen packen mit an, krempeln ihre Hemdsärmel hoch und greifen zu den Hebestöcken, die man ?Schwalben” nennt, weil sie wie Vogelschwänze aussehen. Unter lautem ?Hauruck” stemmen die Burschen den Baum dann in den Himmel. Einer alten Tradition zu Folge sollte der Baum bis zum Mittags-Läuten stehen. An den meisten Orten versammeln sich die Kraftprotze schon am frühen Morgen auf dem Dorfplatz. Rund zweieinhalb Stunden müssen sie hieven, heben und drücken, bis der Stamm stramm steht. Geschmückt wird ein Maibaum mit auf Hochglanz polierten Plaketten, ausgeschnittenen Bilder oder Embleme. Aber auch mit Wappen, Widmungen oder fromme Sprüche verwandeln den Stamm in ein wahres Schmuckstück.

Ein Ständchen für den Stamm
Wer sich am 1. Mai nicht unter einem, sondern mehreren Maibäumen vergnügen möchte, sollte einen Abstecher nach Bayern machen. Mancherorts tanzen die Dorfbewohner um den Baum herum, es spielt die örtliche Musikkapelle und der Trachtenverein zeigt traditionelle Volkstänze. Anschließend wird gemeinsam mit einer Bier und Brotzeit gefeiert. Einige Wellnesshotels haben wir dafür herausgesucht.

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